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Um gut essen und trinken zu können, hat sich die Menschheit vieles einfallen lassen. Der
Hunger hat die Menschen erfinderisch gemacht. Um bessere Nahrung erjagen zu können, brauchten
die Urmenschen Geräte und Waffen, auch zum Betreiben der Landwirtschaft mussten Werkzeuge und
später Maschinen erfunden werden. Schließlich richteten sich die Energien auf die Zubereitung
von Essen, dann von Getränken. Zum Kochen oder Braten oder Grillen bedurfte es zweckmäßiger
Geräte. Schließlich kam die Tischkultur dazu und führte zu stilvollem Speisen. Dazu
möchte unsere Ausstellung verführen.
Das Thema Essen und Trinken und die damit verbundene Kultur der Geräte, Behältnisse und
Maschinen sind hoch aktuell. Das Handwerk leistet für diese Dinge einen großen Beitrag.
Durch seine individuelle Kreativität kommt es zu erstaunlichen und wichtigen Ergebnissen, die
kulinarische Höchstleistungen erst ermöglichen. Die Exempla möchte aufzeigen, wie vielfältig
und auf welch hohem Qualitätsniveau sich das Handwerk in den Dienst der kulinarischen Genüsse
stellt.
So gibt es zur kultivierten Herstellung und für den Genuss von Getränken eine Vielzahl von Beispielen,
bei denen auch heute noch handwerklich hergestellte Gerätschaften unabdinglich sind. Die Anfertigung
von Fässern für Bier, Schnaps oder Wein gehört zu diesen Dingen, aber auch die großen
nach wie vor in Handarbeit durch Kupferschmiede gefertigten Destilliergerätschaften oder Brauereitanks.
Und natürlich nicht zuletzt die Handwerksberufe des Brauers, des Mälzers und des Weinküfers.
In der Exempla 2006 werden ein Brauer der Brauerei Gutmann wie zwei Schüler der Berufsfachschule
für Obst- und Weinbau in Mainz die Besucher über die Herstellung von Wein und Bier aufklären.
Der Büttner Andreas Assmann wird in einer lebenden Werkstatt die Herstellung von Holzfässern
vorführen. Die beeindruckenden Destillierapparate der Firma Holstein aus Markdorf am Bodensee dienen
der Herstellung von Spirituosen aller Art und werden weltweit von Norwegen bis nach Neuseeland geliefert.
Neueste, handgefertigte Katalysatoren aus Kupfer sorgen für besondere Qualität.
Die Kultur des Trinkens drückt sich seit Jahrhunderten auch in einer hochdifferenzierten Verwendung
von Gläsern aus. Erst trank man aus Muschelschalen, Kokosnussschalen u.ä., später kamen
Tontöpfe, Keramikpokale aller Größen und Formen, Tonbecher und -krüge, auch Holzbecher
hinzu. Seit dem 1. Jh. n. Chr. aber verbreitete sich das Trinkglas, mittlerweile gibt es fast für
jede Art alkoholischen Getränks eine bestimmte Form und in der Exempla werden herausragende Beispiele
hierzu zu sehen sein. Die Traditionsfirma J. + L. Lobmeyr steht beispielhaft für die Anfertigung von
erlesenen Trinkgläsern nach Entwürfen von berühmten Designern. Ein Glasgravurmeister der
Wiener Firma wird in der Exempla das Gravieren von Gläsern mit Kupferschleifrädern demonstrieren.
Der ebenfalls aus Österreich stammende Glasbläser Josef Salvenmoser bläst seine skurrilen
Gebrauchsgläser, die durch Humor und Witz gekennzeichnet sind, vor der Lampe.
Die Kultur des Trinkens hat im Tee eine besondere Ausprägung gefunden. Bezeichnenderweise hat der Genuss
des Getränks in den unterschiedlichsten Ländern eine Vielzahl fast ritueller Gerätschaften
entwickelt. Die früheste Erwähnung von Tee findet sich etwa 350 v. Chr. in China, im 8. Jh. gelangt
er nach Japan, im 17. Jahrhundert nach Europa. Wie der Kaffee hat auch der Tee, von China ausgehend, der
Porzellan- und Keramikkunst und dann der Industrie gewaltigen Auftrieb gegeben. Die Exempla 2006 möchte
das Thema Tee in anschaulicher und für das Publikum in erlebbarer Weise darstellen. Eine koreanische
Teezeremonie mit koreanischer Teekeramik aus der keramischen Werkstatt von Young-Jae Lee führt dies vor
Augen, die Teekannen und -schälchen von Kathi Jünger aus Laufen zeigen eine europäische Variante
des Themas.
Der Kultur des Trinkens steht die Kultur des Essens gegenüber. Keimzelle dieser Kunst ist die Küche.
Die Exempla 2006 wird beispielhafte Gestaltungen für Küchenmöbel zeigen. Dabei werden keine
Komplettküchen, sondern Individualmöbel gezeigt. Hier kommt das Schreinerhandwerk, aber auch der
Steinmetz zum Einsatz. Die Schreinerwerkstatt Gregor Sommer aus Koblenz, die Wiedemann Werkstätten aus
Hochstädt und die Steinmetzfirma Steininger aus München zeigen Individuallösungen, die ein
Hochgenuss fürs Auge und außerdem sehr funktional sind: Küchenblock, Kochtische, Steinspülen
und Speisekammern.
Der Handwerksberuf des Ofenbauers ist wesentlich für die Kultur des Backens. In der Exempla wird der
mehrfach ausgezeichnete Bäcker Anton Gürtner in einem Ofen der Firma Heuft Brot, Semmeln und Brezen
backen. Heuft ist der älteste Ofenbauer Deutschlands, der bereits seit 1840 Bäckereien mit Öfen
versorgt. Die neueste Entwicklung von Heuft, ein Thermo-Roll-Ofen wird in der Exempla präsentiert. Der
Mühlenbauer gehört ebenfalls in diese Reihe, der Mühlenbauer Braunwarth aus Überlingen wird
seine Zentrofanmühlen zum Mahlen von Vollkornmehl ausstellen.
Geschmiedete oder gusseiserne Kochgeräte werden in aller Regel nicht mehr vom Handwerk hergestellt. Dennoch
gibt es Spezialisten im Kunsthandwerk, die sich dieser Aufgabe mit großer Leidenschaft widmen. Zu ihnen
zählen die Nürnberger Silberschmiede wie Berthold Hoffmann und Matthias Lehr. In einer lebenden
Werkstatt werden Modelle von Kochgefäßen entwickelt und diese auch im Gebrauch vorgeführt.
Handwerklich hergestelltes Gebrauchsgeschirr kommt dem Bedürfnis nach Individualität in besonderem
Maße nach. Dies spiegelt sich im Erfolg von Keramikwerkstätten wider, die sich auf diese Nische
spezialisiert haben. In der Exempla werden die Geschirre von Keramikern aus Deutschland, Frankreich und Japan
zu sehen sein und die große Bandbreite an unterschiedlichen Gestaltungsvorstellungen vor Augen führen.
Ergänzt wird dieser Beitrag durch die Dresdener Keramikerin Sigrid Hilpert-Artes. Sie fertigt keramische
Tafeldekorationen auf höchst eigenwillige und poetische Art. Ihre Fisch- und Fabelwesen, ihre Meerjungfrauen
und Tänzerinnen, erinnern an Tausendundeine Nacht, an barocke Festgelage und heitere Stimmung.
Ein Exkurs nach Südafrika wird exotische Koch- und Vorratsgefäße in ihrer klassischen
Formenvielfalt und Schönheit vorstellen. Bierbehältnisse mit geflochtenen Deckeln aus Telefondrähten,
aus Gras geflochtene Vorratsbehälter, Tontöpfe werden zu sehen sein, zwei afrikanische Flechterinnen
demonstrieren in einer lebenden Werkstatt ihre Flechtkünste.
Die asiatische Küche liegt seit Jahren voll im Trend. Faszinierend an der japanischen Küche ist nicht
nur das Essen an sich, sondern auch die Ästhetik der Zubereitung und die Verwendung der Geräte wie
Messer, Stapeldosen, Dämpftöpfe, Siebe, Kellen und Essstäbchen. Ein berühmter japanischer
Messerschmied, Shigefusa Izuka, wird in der Exempla demonstrieren, wie seine Messer geschliffen werden.
Zur Festtagstafel gehört auch Tischwäsche aus Leinen und feinem Damast. Schon in der römischen
Kaiserzeit gab es gestickte Tischtücher, Servietten und Schweißtücher und bis heute hat
Tischwäsche große Aktualität. In wenigen europäischen Werkstätten werden diese Textilien
noch in handwerklicher Produktion gefertigt. Die Exempla zeigt hier Beispiele aus Dänemark, Schweden und
dem Bayerischen Wald, wo solche Traditionen noch gepflegt werden. Während Monika Holler aus dem Bayerischen
Wald ihre Künste in traditioneller Weise am Webstuhl demonstriert, wird Gunnel Mårtensson aus
Schweden den Besuchern erklären, wie sie ihre Entwürfe für Tischwäsche aus Damast am Computer
entwickelt.
Optischer Mittelpunkt der Exempla 2006 soll ein 70 qm umfassender, acht Meter hoher, überdachter Pavillon
werden. Gebaut werden diese leichten Architekturen von dem Schondorfer Schreiner und Bühnenbildbauer Erwin
Kloker. Seine Pavillons dienen festlichen Veranstaltungen wie Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten im Freien,
um ihnen den entsprechenden Rahmen zu verleihen. Gerahmt wird dieser Pavillon von Beiträgen zum Thema
"Kochen im Freien". Der Beitrag in der Exempla wird verschiedene Grills, große Kochtöpfe und
Kasserollen fürs offene Feuer und einen Pizzabackofen umfassen. Das Exempla-Fest im Pavillon kann beginnen.
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