Exempla 2014 – Partnerschaften

Gemeinsames Handeln ist ein Grundprinzip des Handwerks, ob in der traditionellen Struktur mit Meistern, Gesellen und Lehrlingen oder in einer Zeit des Wandels, die zur Findung neuer Arbeitsstrukturen und Prozesse führt. Im partnerschaftlichen gemeinsamen Arbeiten liegt eine Möglichkeit, sich gegenseitig zu stärken und erfolgreich zu entwickeln. "Partnerschaften", so lautet das Thema der Exempla 2014, suchen die Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit zwischen gleichberechtigten Personen oder Organisationen. Im partnerschaftlichen Dialog ergänzen sich die jeweiligen Stärken, wächst die Aufmerksamkeit für kritisches Einfordern von Qualität und Leistung. Der kooperativen Zusammenarbeit möchte die Exempla 2014 auf den unterschiedlichsten Wegen nachspüren, um so auf einzelne Strategien im Handwerk hinzuweisen, aber auch um einer Vielzahl unterschiedlicher Handwerksberufe die Möglichkeit der Präsentation innerhalb der Sonderschau Exempla 2014 zu ermöglichen. Das Spektrum reicht dabei von der Technik bis zur Gestaltung. Die Exempla wird sich einzelne Themengebiete herausgreifen, die für das Handwerk und seine partnerschaftliche Arbeitsform beispielhaft sind.

Die Themen finden sich zum Teil im technischen Handwerk, wobei die Funktion des Zulieferwesens, etwa in der Automobilindustrie am Beispiel des Autosattlers, thematisiert wird. Dort spielt die Partnerschaft zwischen Handwerk und Industrie eine große Rolle. Der Werkzeugmacher und das feinmechanische Handwerk als Produzent hochkomplexer Komponenten wird in seinem Dialog und dem gegenseitigen Austausch mit Wissenschaft und Forschung vorgestellt. So zeigt die Exempla Beispiele von hochspezialisierten Handwerksbetrieben, die für die Luft- und Raumfahrttechnik Komponenten und Teile fertigen, wie sie in Weltraummissionen, etwa mit dem Herschel-Satelliten oder der Marssonde Rosetta eingesetzt werden. Der Handwerker als Partner des Architekten ist von größter Bedeutung für das Endresultat jeder architektonischen Planung und Gestaltung. Nicht von ungefähr ist es eine Prämisse der Architektur auf qualitätsvolles Handwerk und erfahrene Handwerker zuzugehen. Nachhaltige Architekturbauten in Afrika sind zur Zeit ein aktuelles Thema. An diesen Projekten lässt sich beispielhaft das partnerschaftliche Zusammenarbeiten zwischen technischen Universitäten, Studenten und ortsansässigen afrikanischen Handwerkern nachvollziehen. Diese Projekte beschreiben eine wichtige Bewegung in der zeitgenössischen Architekturszene und stehen geradezu sinnbildlich für das Thema "Partnerschaften". Welch starker Partner des Handwerks heute noch die Kirche ist, zeigen eindrucksvoll die jüngsten Kirchenneubauten in München. Sie zeugen von hoher Qualität in Entwurf und handwerklicher Ausführung und von der Kirche, als einem der wichtigsten Auftraggeber, sowohl für das Bauhandwerk und Restauratoren des Handwerks, als auch für gestaltende Handwerker wie Gold- und Silberschmiede, Glasmaler, Metallgestalter und Textilhandwerker.

Eine besondere Partnerschaft bilden seit Jahren auch Handwerk und Design. Diesen Weg schlug auch Piet Hein Eek aus den Niederlanden ein, der mit seinen Möbeln und Produktionsstrukturen neue Partnerschaften der Herstellung und des Vertriebs schuf und in Holland heute eine erfolgreiche Vermarktungsstrategie betreibt. Design als Wettbewerbsfaktor war die wirtschaftliche Rettung der Berliner Blindenanstalt. Dort werden in handwerklichen Werkstätten Bürsten, Besen, Pinsel oder Buchbinderarbeiten mit ungewöhnlichen aber sehr erfolgreichen Designentwürfen hergestellt und vermarktet. Dass Ehepaare eine Werkstattgemeinschaft bilden kommt nicht selten vor. Eher schon, dass sie Wert darauf legen gemeinsam zu arbeiten. Die Hildesheimer Gold- und Silberschmiede Martin und Ulla Kaufmann sind ein Paradebeispiel für dieses gemeinsame Leben und Zusammenarbeiten. Die Kaufmanns genießen internationalen Ruf und gehören zu den besten Silberschmieden unserer Zeit weltweit – und das in einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die vor mehr als 55 Jahren begann. Welche Ergebnisse zu erzielen sind, wenn sich ein Metallgestalter, ein Zahntechniker und ein Graveur zusammen tun, wird an den Arbeiten des Messer Werks von Luka Distler und Florian Pichler aus Aschau im Chiemgau sichtbar. In höchster Qualität fertigen sie handgeschmiedete Messer als Unikate und Sammlerstücke. Eine ganz andere Partnerschaft geht die belgische Textildesignerin Nele de Block ein. Sie arbeitet für ihre Outdoor-Kollektion, Accessoires und Taschen eng mit portugiesischen Webern und Handwerkern zusammen, die traditionelle Lodenstoffe produzieren. In ihrer Mode setzt Nele de Block auf Schlichtheit und Qualität, dieses Ergebnis einer partnerschaftlichen Kooperation findet vor allem in Japan eine Käuferschicht.

Eine Zusammenarbeit, die sich mit der Erhaltung traditioneller Handwerkstechniken und der Schaffung völlig neuer Produkte beschäftigt, wird aus Äthiopien vorgestellt. Der Hamburger Webmeister Andreas Möller betreibt seit Jahren ein Projekt in Äthiopien. Dorthin wurde er im Jahr 2007 vom Deutschen Entwicklungsdienst DED gerufen. Möller soll durch den Bau von neuartigen Webstühlen dem Äthiopischen Textilhandwerk Impulse in der Produktion vermitteln. Zusammen mit seinem äthiopischen Partner Esmael Jemal wird Andreas Möller das Projekt "From the Hands of Ethiopia" in der Exempla 2014 vorstellen. Das Thema Handwerk und Design wird auch an zwei Beispielen aus der Glasproduktion veranschaulicht. Tora Urup, die dänische Gestalterin, lässt ihre mundgeblasenen und geschliffenen Glasobjekte von Spezialisten in der Tschechischen Republik herstellen, mit denen sie aufs engste kooperiert. Die Firma Nachtmann aus Neustadt an der Waldnaab hingegen setzt auf junges Design und kooperiert mit internationalen Gestaltungshochschulen, um die Serien der Kristallglasproduktion mit innovativen Designs zu erfüllen und für eine Käuferschicht der Gegenwart interessant zu machen. Holz und Textil in partnerschaftlicher Zusammenarbeit Ausdruck zu verleihen ist eine Aufgabe, der sich das Ehepaar Malcolm Martin und Gaynor Dowling seit Jahrzehnten widmet. Die beiden Gestalter aus Großbritannien sind für ihre handgearbeiteten Holzgefäße berühmt, bei denen es ihnen gelingt, formale Aussagen und ästhetische Qualitäten von Holz und textilen Oberflächenstrukturen miteinander zu kombinieren.

Ein Partner vieler Holzberufe ist der Münchner Drechslermeister Peter Seiler. In seiner Werkstatt entstehen handgedrechselte Komponenten, wie sie der Schreiner, der Möbelrestaurator, der Modellbauer und der Künstler benötigen. In seiner Werkstatt im Münchner Stadtteil Neuhausen entsteht auch so manche Filmkulisse für die Bavaria Filmstudios München. Zwölf Gestalter mit zwölf Positionen verbergen sich hinter dem Club Mantell, als ehemalige Absolventen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Nach ihrem Studium beschlossen sie, als Club Mantell durch gemeinsame Aktionen, Ausstellungen und Messeauftritte als partnerschaftlich verbundene Gestalter aufzutreten. Der Club Mantell macht Lust auf gut gestaltete Bücher und Projekte aus Papier und Illustration. In einer Kombination aus Ausstellung und lebender Werkstatt werden die Mitglieder des Club Mantell die Besucher der Exempla 2014 einladen, an ihrer partnerschaftlichen Idee teilzunehmen.

An 20 Beispielen stellt die Exempla 2014 das Thema als Sonderschau der Internationalen Handwerksmesse vor. Internationale Meister ihres Faches aus 10 Ländern stellen ihre Arbeitsweisen auf anschauliche Art dar. So wird die Exempla auch im Jahr 2014 zur internationalen Verständigung im Handwerk beitragen. Das Thema "Partnerschaften" der Exempla 2014 soll auch die starke soziokulturelle Bedeutung des Handwerks dokumentieren. Damit beweist es einmal mehr den hohen kultur- und kreativwirtschaftlichen Stellenwert des Handwerks in unserer Zeit.

Wolfgang Lösche


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