Preis der Exempla ´70
In Bronze bzw. Bronze mit Silber- oder Goldeinlagen
Höhe 5,8 m, Durchmesser 6 cm
Entwurf: Professor Fritz König, München

Preis der Exempla ´70, In Bronze bzw. Bronze mit Silber- oder Goldeinlagen,
Höhe 5,8 m, Durchmesser 6 cm, Entwurf: Professor Fritz König, München

„Exempla 2022“
50 Jahre Sonderschau „Exempla“ auf der Internationalen Handwerksmesse in München

Blick in die Exempla 1970

Im Jahr 1970 wurde die Sonderschau „Exempla“ erstmals im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in München gezeigt. Sie sollte Spitzenleistungen des Handwerks, vor allem des gestaltenden Handwerks, ein Forum geben, das im internationalen Vergleich das Handwerk in Europa hervorhebt und auf die besonderen Qualitäten handwerklicher Produkte hinweist. Die Sonderschau „Exempla“ war als eine Vision geboren und mit höchsten Ansprüchen verknüpft. Von Anfang an setzte man dabei auf einen hohen internationalen Anteil und ambitionierte Ziele.

Als Ausstellungsleiter wurde Fritz Gotthelf, der ehemalige Geschäftsführer des Rats für Formgebung, berufen. Der Schweizer Künstler Max Bill, Mia Seeger vom Rat für Formgebung in Darmstadt und weitere versierte Persönlichkeiten wirkten als Berater. Die „Exempla“ erwarb sich einen legendären Ruf weit über die Grenzen hinaus und trug zum internationalen Ansehen der Handwerksmesse bei. Betrachtet man die Bilder aus den Anfangsjahren der „Exempla“ wird einem deutlich, welchen Wert die Verantwortlichen damals auf eine qualitätsvolle Ausstellungsarchitektur legten. Der Münchner Architekt und Regierungsbaumeister Horst Döhnert und ab 1977 Hans Ell aus Kassel haben hier Maßstäbe gesetzt.

1985 übernahm Peter Nickl bis 2003 die Verantwortung als Ausstellungsleiter der Sonderschau, die seit 2003 Wolfgang Lösche in seiner Nachfolge leitet; organisiert wird sie seitdem von Angela Böck. Im Jahr 2007 löste die Münchner Architektin Lene Jünger Hans Ell bei der Ausstellungsgestaltung ab.

Blick in die Exempla 1970 Ein halbes Jahrhundert hat die „Exempla“ inzwischen die Internationale Handwerksmesse in München bereichert. Grund genug für die Organisatoren dieser Sonderschau noch einmal einen Blick auf erfolgreiche Themen, interessante Beiträge und herausragende Persönlichkeiten zu richten. Im Laufe von 50 Jahren Sonderschau „Exempla“ wurden die unterschiedlichsten Themen aufgegriffen. Diese beschäftigten sich zum Teil mit gesellschaftspolitischen Ereignissen, wie der aufkommenden Ökologie-Bewegung im Jahre 1976, dem Thema von Arbeit und Lebensformen im Kunsthandwerk (1979), der Berufsausbildung im Handwerk (1982), der Denkmalpflege (1984), dem Thema der Frau im Handwerk (1988) oder auch der Forschung und Innovation (1989). Die europäische Erweiterung nach dem Mauerfall und die Öffnung der osteuropäischen Staaten waren genauso Themen, wie einzelne Materialien beispielsweise Metall, Holz, Keramik oder Glas, oder Techniken und Berufe wie Musikinstrumentenbauer oder das Modellbauerhandwerk. Als zentrales Motiv kann innerhalb der „Exempla“ das gestaltende Handwerk betrachtet werden. Die bedeutendsten Gestalterinnen und Gestalter der letzten 50 Jahre haben in der „Exempla“ ihre herausragenden Leistungen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Die für das Jahr 2020 vorgesehene Jubiläumsausstellung konnte aufgrund von Covid-19 nicht gezeigt werden und auch 2021 verhinderte die Pandemie die Durchführung der Internationalen Handwerksmesse. Mit Verspätung, verkleinertem Areal und der Pandemie in unterschiedlichster Art geschuldetem Teilnehmerwechsel kann die Sonderschau mit ihren lebenden Werkstätten vom 6. bis 10. Juli 2022 präsentiert werden.

Die Auswahl 2022 soll besonders erfolgreiche Persönlichkeiten und handwerkliche Leistungen als einen wesentlichen Bestandteil unserer Alltagskultur, wie auch als kulturellen Bestandteil unserer Gesellschaft dokumentieren. Dem Prinzip der Sonderschau entsprechend werden die Beiträge durch „Lebende Werkstätten“ veranschaulicht.

Pete Nelson, einer der renommiertesten Baumhausbauer der USA, hat in der „Exempla 2003 - Werkstätten der Gartengestaltung“ mit seinem bezaubernden Baumhaus große Spuren in München hinterlassen. Die Firma Baumbaron hat in Zusammenarbeit mit Pete Nelson ein Baumhaus konzipiert, das von „Baumbaron“ auf der „Exempla 2022“ aufgebaut wird. Ein freier Mitarbeiter der Firma, Christopher Richter, war 2003 so beeindruckt von Nelsons Arbeit, dass er daraufhin dessen beruflichem Vorbild folgte und heute selbst erfolgreich Baumhäuser entwirft.

Innovation, Technologie und die vollkommene Materialbeherrschung sind auch die Themen der Firma Martelleria. Ihr Inhaber Martin Deggelmann, gelernter Karosseriebaumeister, arbeitet für Architekten und für den 2019 verstorbenen, international bekannten Leuchtendesigner Ingo Maurer in München. Deggelmann‘s Arbeiten sind einzigartig und herausragend im Bereich der Metallgestaltung und nur durch die Beherrschung seines Handwerksberufes auf höchstem Niveau möglich. In der „Exempla“ wird er ein in seiner Werkstatt restauriertes historisches Rennfahrzeug, „Hartmann Formel Junior“, aus dem Jahr 1961 ausstellen.

Auch der renommierte Traditionsbetrieb Kunstschmiede Bergmeister kommt aus dem Metallbaubereich. Neben der modernen, zeitgenössischen Umsetzung von Metallbauarbeiten in unterschiedlichsten Bereichen widmet sich die Firma bis heute dem anspruchsvollen Schmieden von Grabkreuzen.

Über viele Jahre kooperierte das Exempla-Team mit dem Schreinermeister und Japanologen Christoph Henrichsen, der ein versierter Kenner des japanischen Handwerks und Kunsthandwerks ist. In der Jubiläums-Exempla wird er das Publikum in die Raffinessen japanischer Holzverbindungen einweisen. Der gebürtige japanische Messerschmied Noriaki Narushima lebt seit Jahrzehnten in Bayern und ist als hervorragender Messermacher für besonders exklusive und extrem scharfe Messer höchster Präzision bekannt. In der Exempla 2022 wird er das Publikum in die Geheimnisse des Schleifens von japanischen Messern einführen.

Dem Thema der Mechanik möchte die „Exempla 2022“ durch Beiträge aus der Tschechischen Republik und aus England nachkommen. Über Jahrzehnte hat das Publikum der Messe die Arbeit der tschechischen Spielzeugmacher Martin Lhoták und seiner Frau Renata Lhotáková wie auch des englischen Automatenbauers Robert Race begeistert. Sie vereinen handwerkliches Geschick, Humor und didaktisches Vermögen. Sie gestalten mechanisch funktionierende Spielzeuge für Kinder wie auch für Erwachsene, deren Charme man sich nicht entziehen kann. Martin Lhoták wird in der „Exempla“ seine fast sieben Meter hohe Windmühle ausstellen und über die Funktionsweise von mechanischem Spielzeug aufklären.

Kleine Behausungen für Tiere erleben im Moment einen großen Boom. Besonders im Trend sind dabei Hühnerhäuser. Die „Exempla 2022“ wartet mit zwei Beispielen auf, beide stammen aus renommierten Schreinerwerkstätten. Philipp von Manz betreibt seine Schreinerei in Breitenberg im Bayerischen Wald. Mit Hilfe von drei Mitarbeitern entstehen dort Möbel, Innenausbauten sowie Gartenmobiliar oder auch kleine Behausungen für Tiere. Formal ist Philipp von Manz von den Shakern beeinflusst, von ihren einfachen, klassischen Formen, der klaren Sprache und der Funktionalität ihrer Stücke. Die Tischlerei Sommer fertigt zeitgemäße Vollholzmöbel jenseits modischer Trends. Ihr Fokus liegt auf puristischen Formen, ausgewählten, langlebigen Materialien. Die hochwertige Verarbeitung unterstreicht dabei die Schönheit des Holzes. Im Gespräch mit den Kunden werden passende Konzepte erarbeitet und mit höchsten Ansprüchen an die handwerkliche Präzision realisiert. In der Hühnerhaltung haben beide Schreinermeister, Philipp von Manz und Gregor Sommer, persönliche Erfahrung. Mehrfach waren Auszubildende und Gesellen der Bauinnung München mit ihren Ausbildungsmeistern in der Sonderschau vertreten und arbeiteten erfolgreich mit international renommierten Architekten zusammen. In der „Exempla 2022“ zeigt die Abteilung Zimmerer unter der Leitung ihres Ausbildungsmeisters Wolfgang Weigl Hundehütten, die sie im Unterricht zum Thema Holzverbindungen und -konstruktionen fertigten.

In der „Exempla 2022“ wird auch Glaspunkt aus Burghausen, die Glasbläser Sigi und Christopher Franz sowie Andreas Staudinger, die bereits vor Jahren das Publikum begeisterten, eine lebende Werkstatt betreiben und das Geheimnis lüften, wie Glasfiguren in Flaschen gezaubert werden. Die Spezialität des Altmeisters Sigi Franz sind Glasapparate für die Industrie und Wissenschaft. Aus dieser Technik entwickelten er und seine jungen Nachfolger faszinierende künstlerische Schöpfungen.

In Anlehnung an die Sonderschau „Schmuck“ auf der Internationalen Handwerksmesse wird die „Exempla 2022“ auch dieses Thema aufgreifen. Die Goldschmiedin Bettina Dittlmann wird zusammen mit ihrem Mann Michael Jank in zwei lebenden Werkstätten einen Beitrag zu aufwendigen Techniken des Goldschmiedehandwerks vorstellen. Der Silberschmied Berthold Hoffmann präsentiert alltagstaugliche gusseiserne Kochgeschirre und -utensilien. Für seine Arbeiten greift er auf traditionelle Techniken ebenso wie auf neuste Verfahren zurück. Die Formen für seine Arbeiten in der Technik des Sandgusses lässt er mittlerweile im 3D-Druckverfahren herstellen.

Das Keramiker-Ehepaar Thomas Löber-Buchmann und Katarina Löber aus Halle arbeitet mit einer raffinierten Drucktechnik, um ihre Gefäße zu gestalten. In ihrer „Exempla“-Werkstatt gewähren sie dem Publikum Einblick in ihre Vorgehensweise.

Auch Integration und Therapie gehören zu den wichtigen „Exempla“-Themen. So wird auch dieses Jahr ein Beitrag diesen Aspekt aufgreifen. Die USE, ein wirtschaftlich orientiertes Sozialunternehmen mit einem breiten Angebot der beruflichen Rehabilitation für behinderte und benachteiligte Menschen, betreibt in Berlin zahlreiche, von Handwerksmeistern geführte Werkstätten. Ihre Schachtelmacher fertigen aus hochwertigen italienischen und japanischen Papieren verschiedenste Schachteln und Boxen, die sich zum Verkaufsschlager entwickelten. Das Team um Gundolf Hans wird in der „Exempla 2022“ an einer bunten Auswahl von handgefertigten Schachteln und Boxen arbeiten. Im Jahr 2018 wurde Maria Barleben für ihre ausdrucksstarken textilen Handpuppen mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Der Terrier Lutz und seine Freunde, das Hausschwein Rosalie oder der Ziegenbock Gustav, seien schon seit Jahren Lieblinge der Besucher der Handwerksmesse, lautete die Begründung. 2022 werden sie die kleinen Behausungen für Tiere bevölkern und die Besucher der „Exempla“ verzaubern. In Kinderarztpraxen und -therapien sind sie hilfreich und geschätzt.

Denkmalpflege war in den 50 Jahren „Exempla“ immer wieder Thema. Aus diesem Bereich, in dem das Handwerk eine wichtige Rolle spielt, wird ein Restaurierungs-Projekt der jüngsten Vergangenheit zu sehen sein. Im Rahmen ihrer Ausbildung erneuerten junge Stuckateure des Beruflichen Ausbildungszentrum Leonberg und der ÜbA Leonberg den Außenputz des Max-Lieblings-Hauses in Tel Aviv, eines der unter strengsten Denkmalschutz stehenden Bauhaus-Gebäude der sogenannten „White City“. Die Stuckateur-Auszubildenden aus Baden-Württemberg arbeiten für dieses auf mehrere Jahre hin angelegte Projekt mit Architekturstudenten aus Israel zusammen. In der Exempla werden sie in einer lebenden Werkstatt Proben dieses speziellen Putzes anfertigen. Das ehemalige Wohnhaus im Bauhausstil aus dem Jahr 1936 dient seit Herbst 2019 als „White City Center“ als deutsch-israelischen Dokumentations-, Vermittlungs- und Kompetenzzentrum für Denkmalpflege.

Auch die Firma Attenberger Bodenziegel hat sich der Denkmalpflege verpflichtet. Die Herstellung dieser Bodenziegel orientiert sich an historischen Verfahren. Durch die spezielle Technik der Aufbereitung des Tons bleibt der Charakter des Rohmaterials mit seinen Sedimentstrukturen erhalten. Durch ein besonderes Brennverfahren bleiben die feinen Nuancen in Struktur und Farbe erhalten; es wird ein Farbspektrum erzielt wie früher in den alten Brennöfen. Die hochwertigen Bodenziegel fügen sich ebenso gut in moderne Architektur wie in historische Gebäude.

Mit diesem Konzept wird auf die Bedeutung der herausragenden Sonderschau im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in ihrem 50-jährigen Bestehen hingewiesen und auf die führende Rolle, die sie im Bereich der Handwerkspräsentation im deutschen Messewesen innehat. Zugleich dokumentiert ihre Kontinuität die enge Zusammenarbeit aller Verantwortlichen, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, der Gesellschaft für Handwerksmessen mbH und der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Wolfgang Lösche & Dr. Angela Böck

Rundgänge in der Exempla 1970

Fotos: Werner F. Vollmer



Exempla 2022 - 50 Jahre Exempla

Exempla 2022 - 50 Jahre Exempla



Fotos: Eva Jünger



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